Klavierabend mit Mirko Kegel

Kontrapunkt Klavierwerkstatt, Dorfstr. 39/ Hofgebäude, M-Obermenzing

Mirko Kegel, ©Mirko Kegel

Das Ende unserer Sommerpause feiern wir mit dem jungen, vielseitigen Pianisten Mirko Kegel in der Kontrapunkt Klavierwerkstatt. Er ist 2005 in München geboren und hat im Alter von 6 Jahren mit dem Klavierspiel begonnen. Von 2020 bis 2023 war er Jungstudent an der Hochschule für Musik und Theater München, danach Student im künstlerischen Bachelorstudiengang bei Prof. Adrian Oetiker. Er hat an verschiedenen internationalen Meisterkursen und Akademien teilgenommen und zahlreiche Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben gewonnen.

Programm:

Ludwig van Beethoven, Sonate D-Dur Op. 10/3
Franz Schubert, Sonate c-Moll D 958
Alexander Skrjabin, 8 Etüden Op. 42

Eintritt: € 28; ermäßigt für Mitglieder € 25, für Schüler und Studierende unter 30J. € 10
Karten nur an der Abendkasse
Reservierung empfohlen unter: info@kammermusik-pasing.de

Erläuterung zu den Werken:

Ludwig van Beethoven (1770-1827) Sonate Nr. 7 D-Dur Op. 10/3

Die 1798 veröffentlichte und wohl relativ kurz zuvor komponierte Sonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3 entstand in einer überaus fruchtbaren Schaffensperiode, als Beethoven bereits als erfolgreicher und vom Adel protegierter freischaffender Künstler in Wien tätig war, aber noch gelegentlich bei älteren Komponisten wie Antonio Salieri (Vokaltechnik) oder J.G. Albrechtsberger (Kontrapunkt) Unterricht nahm. Sie ist das längste und gewichtigste Werk der drei repräsentativen Sonaten op. 10.

In diesem Jahr zeigten sich bereits erste Symptome jenes Gehörleidens, das schließlich zur fast völligen Ertaubung des noch jungen Komponisten führen sollte.

Möglicherweise schlug sich die Schwermut über die sich abzeichnende Taubheit in dem ungewöhnlich ernsten und in Teilen sogar opernhaft-dramatischen Mittelsatz (Largo e mesto) nieder, den der Pianist Igor Levit kürzlich als einen der „tiefsinnigsten langsamen Sätze Beethovens überhaupt“ bezeichnet hat.

Ansonsten überwiegt in dem viersätzigen Werk (mit einem Menuett statt des bereits üblichen Scherzos an dritter Stelle) ein überwiegend extrovertiert-virtuoser Gesamteindruck.

Insgesamt erweist sich Beethoven hier trotz einiger Anklänge an Mozart und seinen ehemaligen (relativ ungeliebten) Lehrer Haydn als vollendeter Meister der großen klassischen Sonatenform.

Spieltechnisch stellt op. 10/3 eines der anspruchsvollsten Werke seiner Zeit dar, während kompositorisch die konsequente Verarbeitung teils kleinster motivisch-thematischer Partikel den Stil der Wiener Klassik auf bislang unerreichte Höhe führt und den Weg für den eigenen Spätstil und die musikalische Romantik ebnet.

Nur zwei Jahre später trat Beethoven dann auch als Symphoniker ins Rampenlicht der Musikgeschichte.

Franz Schubert (1797-1828) Sonate c-Moll D 958

Beethovens Kompositionstechnik übte auf den 27 jüngeren Franz Schubert größten Einfluss aus, wobei der Ruhm und die damals bereits unwidersprochene Ausnahmestellung des Älteren innerhalb der Musikgeschichte sich eher hemmend auf den Jüngeren auswirkten.

Interessant ist, dass lediglich ein Treffen der beiden nur wenige Kilometer voneinander entfernt in Wien lebenden Genies kurz vor Beethovens Tod zweifelsfrei dokumentiert ist. Die Angaben über einen fünf Jahre früher geplanten Besuch sind hingegen nicht eindeutig, mit Sicherheit lässt sich jedoch sagen, dass es nie zu einem Lehrer-Schüler-Verhältnis kam.

Es ist somit naheliegend, dass Schubert seine letzten drei zukunftsweisenden Klaviersonaten erst nach dem Tode des Titanen vollenden konnte, als ihm bereits klar sein musste, dass er aufgrund seiner 1823 diagnostizierten Syphiliserkrankung nicht mehr lange zu leben haben sollte.

Umso erstaunlicher ist die schier unglaubliche produktive Leistung, die der Schwerkranke in seinem letzten Schaffensjahr vollbrachte, in dem neben der heute zu hörenden c-moll Sonate u.a. noch die große Messe Es-Dur, das monumentale Streichquintett, die Skizze zu einer Symphonie,  zahlreiche Lieder und gewichtige Werke für Solo- und vierhändiges Klavier entstanden.

Während Beethovens Spätstil klar die Tendenz zu thematischer Konzisität und formaler Kompromisslosigkeit zeigt, weitet Schubert in seinen letzten drei nahezu zeitgleich entstandenen Sonaten die tradierten Formen immer weiter aus und verwirklicht dadurch einen musikalischen Zeitbegriff, der Ende der 1820er Jahre völlig neu und unverständlich war und sich somit als direkter Vorläufer für die Ideen Anton Bruckners erweist.

Sehr interessant ist, dass genau wie bei Beethoven 30 Jahre zuvor in op. 10/3, der dritte Satz als Menuett bezeichnet wird, was aber 1828 bereits ein klar nostalgisch geprägter Rückblick auf eine bereits vergangene, vermeintlich glücklichere Epoche darstellt – eine Ästhetik, die wir später genauso wie das vordergründig schlicht-liedhafte Jahrzehnte später bei Gustav Mahler wiederfinden. Von einer intakten „blauen Blume“ der Romantik kann jedoch keine Rede mehr sein, vielmehr verbergen sich hier hinter der Fassade des Behaglichen die Fallgruben einer als zutiefst verstörend empfundenen seelischen Welt.

Alexander Skrjabin (1872-1915) 8 Etüden Op. 42

Einen völlig anderen Hintergrund haben die acht Etüden op. 42 von Alexander Skrjabin, entstanden 1903. Genauso wie seine früheren Etüden noch stark an Chopins Meisterwerken dieser Gattung orientiert, emanzipiert sich der Stil in op. 42 deutlich hörbar von der Epoche der Romantik und befindet sich oftmals in Nähe des Impressionismus.

In dieser Zeit löste sich der synästhetisch begabte Komponist, anders etwa als sein unmittelbarer Zeitgenosse Rachmaninoff, immer mehr von vorhandenen Mustern und entwickelte unter philosophisch-esoterischem Einfluss eine völlig eigene, vorbildlose Ästhetik, die auf die Musikgeschichte des noch jungen 20. Jahrhunderts größten Einfluss ausüben sollte.

In den Etüden op. 42 ist z.B. das bewusste Verschleiern traditioneller melodischer und harmonischer Progressionen besonders charakteristisch, wodurch die zugrundeliegende Tonart apart verunklart wird – Chopin gewissermaßen durch ein getöntes Glas betrachtet.

Es sollte nur noch wenige Jahre dauern, bis sich Skrjabin schließlich völlig von der tradierten Dur-Moll-Tonalität löste. Die komplizierte Polyrhythmik, Agogik und in sich verschachtelte Polyphonie von Op. 42 stellen hierbei eine Art Übergang dar und stellen den Pianisten vor gestalterische und spieltechnische Herausforderungen erster Ordnung.

Skrjabin konnte seine universellen musikalischen Visionen, die sich gegen Ende seines Lebens in einigen hochoriginellen, groß besetzten Orchesterwerken (darunter das „Poème de l´extase“) manifestierten und nichts weniger als eine umfassend-mystische Weltveränderung beabsichtigten, nicht mehr zu Ende führen: Er starb erst 43-jährig an einer durch einen kleinen Pickel an der Lippe ausgelöste Sepsis.

Der Künstler:

Mirko Kegel, geboren 2005 in München, begann das Klavierspiel im Alter von 6 Jahren an der Musikschule Grünwald und lernte ab 2016 an der Musikschule München bei Prof. Massimiliano Mainolfi. Von 2020 bis 2023 Jungstudent, danach Student im künstlerischen Bachelorstudiengang bei Prof. Adrian Oetiker an der Hochschule für Musik und Theater München. Teilnahme an internationalen Meisterkusen und Akademien (z.B. “Talent Music Academy” in Brescia 2018-2021) und Gewinn zahlreicher Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben wie Jugend musiziert (1. Preis/ volle Punktzahl auf Bundesebene), “International Music Competition Berlin – Rising Stars Grand Prix” 2018 (2. Preis), “Citta di Barletta” 2019 (1. Preis), “International Young Euregio Piano Award” (1.Preis) und “Pianist of the north international Piano competition” in Newcastle 2019 (2. Preis).